W. (2008/I)

By | 26. January 2009

Nachdem ich ja gerade erst den Film Being W gesehen habe, kann ich nun auch etwas zu dem aus den Median etwas besser bekannten Film W. von Oliver Stone berichten.

Der Film springt von der Zeit als Präsident immer wieder zurück in die Zeit ab dem Eintritt in eine Studentenverbindung in Yale. Dabei kommt es in den Vergangenheitsszenen fast ausschließlich zu entweder Trinkexzessen oder Konfrontationen mit seinem Vater. Dieses ist etwas zu einseitig und könnte genau so gut in nur einer Szene gezeigt werden, denn man versteht den Vater-Sohn-Konfikt auf anhieb. Die Erleuchtung zum “Wiedergeohrenen Christen” kommt ebenfalls sehr plötzlich. Im Ganzen werden die vermeintlich wichtigsten Eckdaten, die wohl auch als Fakten zu belegen sind, lieblos in den Film eingebracht. Als Beispiel kann man eine zweiminütige Szene anführen, in der W. sich an einer Brezel verschluckt und beinahe erstickt. Weder die Szene vorher noch danach ist damit in einen direkten Zusammenhang zu bringen.

Auch sonst ist der Film eher steril und vermochte mich nicht in einen Bann zu ziehen. Da liegt nicht daran, dass ich W gegenüber kritisch eingestellt bin, sondern das der zwar sehr gut gecastete Schauspieler aus der Rolle nicht mehr machen konnte. Erst in den letzten 15 Minuten wurde ich als Zuschauer emotional eingebunden. Auslöser dazu war eine Pressekonverenz, in der W gefragt wird, was er denke für Fehler gemacht zu haben. Auf die Frage war er nicht vorbereitet und versuchte Worte zu finden, die adequart wären. Zuvor wurde es im Film so dargestellt, dass er nicht wußte, dass Saddam Hussein keine Atomwaffen gehabt hatte.

Der Film stellt die Vorgehensweise von W als Präsident sehr geschlossen dar. Es bleibt die Authentizität allerdings offen, so dass man eher das Gefühlt hat einen Fiktionsfilm zu schauen, als eine hart recherchierte Biographie.

Zwei Dinge fallen zudem ebenfalls auf:

  1. Der 11. September 2001 bleibt vollkommen außen vor. Lediglich in ein paar Randbemerkungen erfährt man, dass es ihn gegeben hat und dass die Regierung (W und seine Leute) auch in den eigenen Augen nicht durchdacht und strukuriert gehandelt hatten.
  2. Die allseits beliebten und belächelten Bushismen treten im Film eigentlich gar nicht auf. Dieses ist allerdings eine wesendliche Eigenschaft, die einfach unter den Teppich gekehrt wird.

Alles in Allem kommt mir der Film als ein Loblied für Bush oder zumindest als verständnisheischender Abklatsch vor. Es lohnt sich eher ein paar Dokumentationen über ihn anzuschauen als diesen Film.

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