Voll abgewrackt

By | 3. April 2009

So könnte man mittlerweile Deutschlands Autoindustrie bezeichnen.

Durch die vom Staat eingeführte, aus den Nachrichten bekannt als Abwrackpremie, Unterstützung für die Autoindustrie wurden viele fahrtüchtige Autos auf das Altenteil geschickt. Nun bin ich ja ein Fan davon, alte Stinker von der Straße zu verbannen und freute mich zuerst also auch über diesen schönen Nebeneffekt. Doch die sogar eigentlich heißende Umweltprämie entpuppe sich als Reinfall. Es wurden vom Staat keinerlei Richtlinien für die neu zu erwerbenden Fahrzeuge im Bezug auf die Umwelt erstellt. Es wurden sogar explizit bestimmt Fahrzeuge ausgenommen, die durch ihre Konstruktion positiver für die Umwelt wären. Zum Beispiel muss das neue Fahrzeug mindestens vier Räder haben. Damit fallen im Grunde alle Leichtbaufahrzeuge mit Stromantrieb aus dem Raster, denn diese besitzen in der Regel nur drei Räder – des Gewichtes wegen.

So werden also “nur” die Halden der Autoindustrie abgebaut, was aber natürlich wohl auch einzig gewollt ist. Doch nicht nur die deutsche Autoindustrie profitiert von dem Geldsegen. etwa 50 Prozent der Neuwagen kommen von ausländischen Herstellern. Weit gefehlt, wenn nun jemand glaubt, dass ich es denen nicht gönnen würde.

Doch was für Randerscheinungen werden durch die große Anzahl von Neuwagenkäufen produziert? Gar nicht eingehen will ich darauf, dass tendenziell die Hersteller wohl eher nun so weiter agieren wie bisher. Vielmehr interessiert es mich, was denn nun in den kommenden Jahren passiert, in denen der Großteil der Gebrauchtwagenkäufer nun nicht mehr Abnehmer als Abnehmer bereitstehen. Sie alle haben nun ein neues Auto. Der Markt wird durch die Zulagen mit Sicherheit in den kommenden Jahren eher schwieriger. Aber – immerhin übersteht man mal das Jahr 2009.

Ein weiteres Problem trifft die Gebrauchtwagenhändler. Sie bleiben nun auf den meisten Autos sitzen und werden gezwungen die wenigen verkauften unter Preis weiterzugeben und verlieren somit ihre Lebensgrundlage. Die Folge sind Pleiten und Arbeitslose. Wenn es aber nur kleine Betriebe trifft, schaut keiner hin oder kommt zur Rettung.

Und was machen die Schrotthändler? Man könnte glauben, dass sie in Goldgräberstimmung sind. Dem ist aber nicht so, denn neben den schon im letzten Jahr wieder stark sinkenden Rohstoffpreisen wird nun ein ungeahntes Überangebot produziert. Wir wissen ja alle, was das bedeutet: Viel Angebot, wenig Preis ;( Auch hier geht es um Existenzen.

Zu guter Letzt wäre da noch das Ausland. Zumeist gehen unsere Schrottlauben in die Schwellenländer in Afrika. Dort sind besonders die deutschen Autos beliebt, da sie noch einmal auf Grund ihrer Qualität und ein wenig Improvisation neu zum Leben erweckt werden. So werden sowohl die Exporteure als auch deren Abnehmer direkt beeinträchtig und müssen deutliche Einbußen hinnehmen. Man könnte nun Argumentieren, dass es besser sei, wenn diese Stinker nicht noch weiter die verpesten, aber was ist denn die Alternative für Menschen, die in ihrem gesamten Leben nicht einmal so viel Geld verdienen, um sich einen Kleinwagen leisten zu können.

Tja und dann beibt da noch ein weiterer Umweltaspekt als zusätzlicher Schlag ins Gesicht derer, die diese Prämie der Umwelt gewidmet haben wollen: Hat jemand mal nachgerechnet, wie viel CO² – denn so rechnen wir ja heute – die Produktion des Neuwagens gekostet hat? Und dieses dann mal gegen gerechnet mit den Jahren, die man ein noch fahrtüchtiges Fahrzeug nutzen könnte, bevor der Break-even erreicht wird?

Soviel von mir zu diesem Thema…

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2 thoughts on “Voll abgewrackt

  1. jethr0

    Hmm, es sind ja viele verschiedene Faktoren die du in deinem Post erwaehnst…

    Sicherlich kann man nicht alle Faktoren gleichzeitig maximieren; es koennte z.B. eine negative Korrelation zwischen Ankurbeln der Industrie und CO2-Ausstoss geben.

    Auch ich sehe deutlich negative Aspekte der Abwrackpraemie. Die zwei Fragen, die man sich stellen sollte sind jedoch wie man die verschiedenen Dimensionen des Problems gewichtet und mit welcher anderen Handlungsoption dann ein optimaleres Ergebnis erzielt werden koennte.

    Ein Komplettzusammenbruch unseres Wirtschaftssystems haette wahrscheinlich arge Konsequenzen auf den zukuenftigen CO2-Ausstoss…

    Subventionen sind immer problematisch und haben immer vorhergesehen und unvorhergesehene negative Effekte. Auch mir waere lieber, wenn diese Massnahmen noch intensiver durchdacht wuerden. Aber andererseits gibt es meines Wissens keine ordentlichen Modelle zur Behebung der Finanzkrise. Also hat auch angestrengtes Nachdenken seine Grenzen und Massnahmen des Staates sind wahrscheinlich durchaus notwendig, um die derzeitige Situation in den Griff zu bekommen.

    Ob die getroffenen Massnahmen helfen oder die Situation verschlimmern kann allerdings nur nach bestem Wissen und Gewissen abgeschaetzt werden und wird sich in den naechsten Monaten und Jahren herausstellen.

  2. Dagobert Post author

    Sicher ist es sehr schwierig alles zu beachten und noch schwerer es allen recht zu machen. Ich wollte auch nicht per-se diese oder andere Maßnahmen verdammen, was Du wohl auch nicht so aufgefasst hast. Mir war das angesprochenen Problem kürzlich besonders aufgefallen und ich habe mich gefragt, wie ich wohl über eine Maßnahme denken würde, wenn sie meine Lebensgrundlage bedroht, wie es zum Beispiel bei den Grbrauchtwagenhändlern wohl teilweise schon ist.
    Ich frage mich, ob man sich darüber vorher Gedanken gemacht oder es schlicht vergessen hat.

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